Dienstag, 31. Oktober 2006

Das griechische System - Teil 2

UMZUG AUF GRIECHISCH

Teil 2 der Reihe ist dem Thema Umzug gewidmet. Hier hatte ich vergleichsweise wenig Probleme erwartet, mich aber hinsichtlich der Wohnqualitaet auf Abstriche im Vergleich zum gewohnten Standard eingestellt. Mit letzterem sollte ich rechtbehalten!

Ich hatte das Glueck, bereits vor meiner Ankunft, meiner Verwandtschaft sei dank, ueber zwei Wohnoptionen zu verfuegen. Eine befand sich etwa 60 km ausserhalb der Stadt. Attraktiv mit Meerblick in unmittelbarer Strandnaehe gelegen. Auf den ersten Blick sehr interessant. Bei genauerem Hinsehen jedoch keine wirkliche Option, da 1) Fahrerei ohne Ende, 2) Nest im Winter ausgestorben und Strand nicht nutzbar, zudem 3) im Winter etwas kuehl ohne Heizung. Leider verloren, mindestens 2:3!

Zweite Option: Ein etwa 25 qm grosser Bueroraum in einem Buerohaus. Vorteile: 1) Zentrale Lage, 2) entgeltfrei zu beziehen und 3) garantiert keine Probleme mit den Nachbarn am Wochenende! Nachteile: 1) keine Kueche, 2) kein/e Bad/Dusche, 3) Toilette auf dem Flur. Das zahlenmaessige Unentschieden zwang zu einem Ortstermin. Unmittelbar im Anschluss an diesen, entschied ich mich dafuer eine Wohnung bzw. ein WG-Zimmer zu mieten.

Die Wohnugssuche sollte meinerseits zwei Anforderungen genuegen. Sie sollte mit moeglichst geringem Aufwand verbunden sein und es sollte sich moeglichst schnell Erfolg einstellen. Zugegebenermassen sind dies nicht unbedingt Voraussetzungen, die das Aufspueren einzigartiger Wohnobjekte wahrscheinlich machen. Um meinen Anforderungen gerecht zu werden, sollten sie aber nicht hinderlich sein. Aufgrund der offenbar hohen Nachfrage bei vergleichsweise geringem Angebot, waren die fuer mich interessanten Objekte meist schon weg, bevor ich ueberhaupt anrief - haeh?! So blieben am Ende nur zwei uebrig. Ein tendenziell lautes, ungepflegtes aber moebliertes 12 qm WG-Zimmer im Zentrum etwa fuer den Preis einer Uebernachtung in einem Mittelklassehotel in einer europaeischen Hauptstadt. Und eine nagelneue, unmoeblierte knapp 40 qm grosse zwei-Zimmer-Wohnung etwas ausserhalb des Zentrums (Boulgari, nicht zu verwechseln mit den europaeischen Staat Bulgarien, ganz in der Naehe) fuer knapp das Doppelte. Ich entschied mich fuer die zweite Variante.

Nun muesste eigentlich die lange und hochspannende Geschichte meines Erstbezugs einer griechischen Wohnung folgen. Aus gesundheitlichen Gruenden moechte ich jedoch darauf verzichten (Akute Halsschwellungen, Pulsrasen, Starke Verfaerbungen einzelner Gesichtspartien mit Pustelbildung, etc.). Ums kurz zu machen. Nach etwa einer Woche floss der Strom. Und mit fliessend Warmwasser und Heizung ist – wie sich zwischenzeitlich ergab – auch schon in etwa 4 bis 6 Wochen zu rechnen - Hurra! Auf die Beantragung eines Telefon- und Internetanschlusses habe ich daraufhin verzichtet, da ich zunaechst eine gesicherte Grundversorgung fuer den Winter abwarten wollte. Irgendwas ist immer!

Die Photostrecke hierzu koennte gegebenenfalls als Beweismaterial in einem Gerichtsverfahren herangezogen werden. Nach Ruecksprache mit meinem juristischen Beraterstab, wird von einer vorzeitigen Veroeffentlichung vorerst Abstand genommen.

Fortsetzung folgt...

Sonntag, 29. Oktober 2006

Klassenfahrt zum Sitz der Goetter

Zu dem Schueler- bzw. Studentenleben gehoeren natuerlich auch angenehmere Dinge als das Lernen. So zum Beispiel das Thema Klassenfahrt. Gestern waren wir mit rund 50 Sprachschuelern aller Niveaus am Olymp. Wer kennt ihn nicht, den Sitz der Goetter! Dort besichtigten wir die sehr sehenswerte antike Ausgrabungsstaette Dion.

Bilder „Antikes am Berg des Zeus und seiner Bagage“

Eine lustige Reise. Vor allem die Reiseleiterin hat dazu viel beigetragen. Man vermutet, dass sie nach Anzahl der gesprochenen Worte bezahlt worden ist. Sie redete ununterbrochen! Beginnend mit der etwa einstuendigen Busfahrt weiter mit dem etwa dreistuendigen Aufenthalt im Museum und schliesslich der eineinhalbstuendigen Begehung der Ruinenstaette. Sicher hatte sie es nur gut gemeint. Die ersten Schueler waren jedoch bereits zu Beginn des Museumsbesuchs am Ende ihrer Aufnahmefaehigkeit angelangt. Nach und nach broeckelte es weiter. Am Ende ergab sich quasi intuitiv eine Art Schichtarbeit. Diejenigen, die bereits fruehzeitig in der nahegelegenen Taverne Entspannung suchten, sprangen zum Ende der Tour wieder als Statisten ein und loesten die anderen ab. Durch diese List konnte vermieden werden, dass die sehr engagierte Dame allein philosophierend durch Museum und Ruinenfeld marschierte. Die Frage die unbeantwortet blieb: Haette sie es gemerkt?


Bilder „Bewohner Dions – damals und heute“

Weitere Einzelheiten zu der oben genannten Ausgrabungsstaette entnehmen Sie bitte den handelsueblichen Reisefuehrern oder eines unserer Aufnahmestudios. In dringenden Faellen wenden Sie sich bitte direkt an die oben genannte Dame. Ein Kontakt kann ueber den „Blog-Host“ leicht hergestellt werden.

Samstag, 28. Oktober 2006

1. Schultag

Es ist soweit – 1. Schultag. Knieschlotternd und mit Schultuete bewaffnet (heutzutage in Form eines Outdoorrucksacks der Marke „The North Face“) ging’s in die Schule. Genauer gesagt in die „School of Modern Greek“ der alten philosophischen Fakultaet an der Aristoteles Universitaet Thessaloniki. Zuversichtlich stimmte mich der Anblick des Gebaeudes. Es ist das einzig schöne unter den ansonsten eher durch Beton und dem gestalterischen Element der Inhomogenitaet betoerenden Gebaeuden auf dem gesamten Campus. Etwa die gleiche Liga wie meine alte Heimat-Universitaet, die huebsche Ruhr-Uni-Bochum, Baujahr 1967, oder so!

Die rund 20 Schueler meiner Klasse stammen aus aller Herren Länder: Albanien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Palästina, Rumaenien, Russland, Slowakei, Tuerkei und USA. Auf den Sachverhalt, dass ich den Altersdurchschnitt der Klasse leicht anheben werde, hatte ich mich im Vorfeld bereits durch intensives mentales Training vorbereitet. Ich muss allerdings gestehen, dass ich dabei etwas andere Groessenordnungen vor meinem geistigen Auge hatte. Er liegt geschaetzt bei etwa 23 Jahren, einschliesslich (!) „meiner Wenigkeit“! Das Intensiv-Programm kurz geschildert: Unterricht taeglich von 9 bis 13 Uhr. Jede Menge Hausaufgaben und zusaetzlich natuerlich, die mit dem Erlernen einer Sprache verbundenen Anforderungen, wie Vokabeln lernen, Sprache anwenden, etc. Letzteres praktiziere ich intensivst durch Uebungen vor dem Fernseher bzw. auf Nachtschicht!


Bild „I-Maennchen heutiger Praegung. Die werden auch immer aelter!“

Und dann liefen ploetzlich an einem Oktobertag komisch gekleidete Menschen durch die Stadt. Alles war auf den Beinen. Die griechische Fahne hing an jedem Haus. Was war los? Die Antwort gab mein Spaziergang zur „Paralia“ (Uferpromenade). Jedes Jahr zeigt man am 28. Oktober, dem sogenannten „Nein“-Tag, was man so militaerisch zu bieten hat. Dieses Jahr jaehrte es sich zum 66. Mal, dass die damalige griechische Regierung „Ochi“ (=Nein) zu Mussolinis Forderung nach italienischen Stuetzpunkten auf griechischem Boden sagte. Wahrlich ein Grund fuer eine Party.


Bild „Griechische Version "unserer" Lederhose“

Bild „Spaziergaenger an der Uferpromenade“


Bild „Modernste Wehrtechnik zu Wasser – made in Greece“

Sonntag, 8. Oktober 2006

Das griechische System - Teil 1

Erste Erfahrungen

Mit grossem Respekt und den schlimmsten Vorahnungen, habe ich den Weg in die griechische Buerokratie angetreten. Zunaechst war die Aufgabe, die erforderlichen Huerden fuer die Teilnahme an dem Sprachkurs zu meistern. Um es vorweg zu nehmen; null Problemo: Einstufungstest bestanden (Zweite Klasse von Fuenf, d.h. nur eine Gruppe faengt noch weiter unten an!), Kursgebuehr bezahlt und die voellig sinnfreie Roentgenaufnahme beim Universitaetsdoktor hinter mich gebracht. Fertig. Wichtig bei all diesen Schritten: Ein Papier, das gestempelt und dann mit Stempel vorgezeigt werden kann! Soweit so gut.

Naechster Schritt – der Gang zum griechischen Arbeitsamt (OAED). Hier hatte ich erheblichen Nervenverschleiss erwartet. Als EU-Buerger hat man Anspruch darauf, das Arbeitslosengeld des Heimatlandes fuer maximal 3 Monate im EU-Ausland zu beziehen, wenn man dort auf „Arbeitssuche“ ist. Das Zauberwort der Eingeweihten lautet „E303“. Meine diesbezueglichen Erfahrungen in Berlin liessen nichts Gutes erahnen. Denn in der Hauptstadt der so wohl geordneten deutschen Landen dauerte es sage und schreibe 7 Monate bis der, im damaligen Falle, finnische Anspruch vom deutschen Arbeitsamt anerkannt und ausgezahlt wurde. Was sollte mich dann erst in Griechenland erwarten? Die Geschichte ist ueberraschenderweise schnell erzaehlt. Ein halber Vormittag mit Behoerdengaengen reichte aus, um den Vorgang in Gang zu setzen. Selbstverstaendlich begleitet von jeder Menge gestempelter Papiere! Drei Wochen spaeter sollte ich die erste Zahlung in den Haenden halten, natuerlich in bar! Es geht also doch! Die olympischen Spielstaetten sind ja auch rechtzeitig fertiggeworden!

Fortsetzung folgt...

Dienstag, 3. Oktober 2006

Thessaloniki - neue Heimstadt

Frueher – war sowieso alles besser! Das meine ich jetzt aber nicht! Was ich eigentlich meine ist, dass ich frueher den Aufenthalt in dieser miefigen, hektischen und lauten Stadt immer gehasst habe. Insofern ist die Anfangsthese eigentlich kaum haltbar. Es sei denn, am Ende meines Aufenthaltes bestuende eine akute Suizidgefahr oder sogar der Vollzug. Dies schliesse ich aber kuehn mit einiger Wahrscheinlichkeit einfach mal aus.

Zurueck ins Diesseits. Der Sommerurlaub wurde im wesentlichen im Dorf verbracht. Zu diesem Ort der Ruhe und Besinnlichkeit kommen wir spaeter! Der Stadtaufenthalt diente nur einem einzigen Zweck – Familienbesuch! Man kann ja schlecht in der Gegend sein und bei Onkel Kurt und Tante Gerda nicht reinschauen, oder? An dieser Stelle sei auf den Begriff kuenstlerische Freiheit hingewiesen, da ich es mir mit meiner Verwandtschaft nicht verscherzen moechte! Heute, im uebertragenden Sinne – etwa was der Bayer meint, wenn er „heuer“ sagt – ist alles anders, und das meine ich jetzt auch so. Die Stadt ist zwar noch immer miefig, hektisch und laut, aber man gewoehnt sich dran! Vor allem wenn man muss!


Naja, um ehrlich zu sein hat Thessaloniki, zwischen Orient und Okzident gelegen, jede Menge Potenzial! Sie hat eine Unmenge an historischen Monumenten und Bauwerken aus den verschiedensten Epochen zu bieten (griechisch, roemisch, byzantinisch), das kulturelle Angebot ist sehr vielfaeltig und – die Stadt liegt am Meer. Auf der anderen Seite haelt man wenig von Verkehrsregeln oder Geraeuschdaemmstandards. Damit muss man sich arrangieren. Der Mensch als Gewohnheitstier ist aber durchaus dazu in der Lage. Bei den Einen dauerts halt laenger, bei Anderen etwas weniger lang und wieder Andere fuehlen sich wie auf Kur!

Bilder „Staedte, vor allem kulturell interessante Staedte im Sueden Europas, besichtige ich am liebsten bei Nacht. Denn vorher ist in den Lokalen nix los!“